„Der heutige Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff erfolgt viele Wochen zu spät. An ihm haftet der Makel, dass er bei Vorwürfen gegenüber seiner Person nicht das von ihm begangene Unrecht eingesehen hat, vielmehr sah er sich stets selbst in einer Opferrolle. Gerade dieser Umstand belastet ihn selbst nach seinem Rücktritt noch und nimmt dem nun ehemaligen Bundespräsidenten auch noch die Reste vielleicht vorhandener Reputation.
Eine substantielle Verbesserung der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland wird es aber nur dann geben können, wenn endlich ganz grundsätzlich der Einfluss der Wirtschaft und der Finanzmärkte auf die Politik kritisch thematisiert und vor allem entscheidend zurückgedrängt wird.
Wenn es denn für die Position des Bundespräsidenten in diesem Land künftig überhaupt noch einen gesellschaftlichen Wert geben soll, dann ist es notwendig, eine Kandidatin oder einen Kandidaten des breiten politischen Konsenses aller im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien zu finden.“