„Die Nominierung von Joachim Gauck als nächsten Bundespräsidenten durch Union, FDP und Grüne fand bewusst unter Ausgrenzung der Partei DIE LINKE statt. Joachim Gauck ist deshalb kein Konsenskandidat.
Das politische Profil von Joachim Gauck bietet keinerlei Anlass, Akzeptanz bei den LINKEN zu erzeugen. Zum einen hat er sich als Bewunderer von Thilo Sarrazin zu erkennen gegeben, der mit seinem ausländerfeindlichen Populismus zweifellos eine große Resonanz in der Bevölkerung erreicht hat. Aber im Gegensatz zu Joachim Gauck ist dies aus unserer Sicht keineswegs als Vorbild für die politische Klasse zu bewerten, wenn man den Kampf gegen Rassismus und für Toleranz und Mitmenschlichkeit ernst meint.
Joachim Gauck hat in allen Auseinandersetzungen um die Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland deutlich gemacht, dass er jedwede Kritik am Sozialabbau der Agenda 2010 radikal ablehnt und nach wie vor überzeugter Anhänger der Hartz-IV-Logik ist.
Joachim Gauck ist Befürworter der Einschränkung von bürgerlichen Freiheitsrechten, z. B. durch die Vorratsdatenspeicherung. Insofern ist er auch als Bürgerrechtler keine Identifikationsfigur für uns.
Joachim Gauck befürwortet sämtlichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr und akzeptiert damit die Militarisierung der deutschen Außenpolitik.
Mehr als eindeutig hat er sich gegenüber den Kritikern des global agierenden Finanzmarktkapitalismus geäußert. Sie sind aus seiner Sicht kindisch-naive weltfremde Idealisten, obwohl sie sich doch mit der wahrscheinlich gewaltigsten Bedrohung demokratischer Entscheidungsprozesse auseinandersetzen.
Dass Joachim Gauck der Wunschkandidat der FDP ist, darf vor diesem Hintergrund niemanden verwundern. Dass er auch der Wunschkandidat von SPD und Grünen ist, sagt viel über das so genannte linke Profil dieser beiden Parteien aus.
Aus linker Perspektive hätte es durchaus Konsenskandidaturen geben können, möglicherweise sogar mit CDU-Parteibuch. Joachim Gauck ist dies nicht, und zwar wegen seiner inhaltlichen Positionen.“